Mi. 30.4.25, 18 Uhr, Kupferbau, HS25, Hölderlinstraße 5, 72074 Tübingen
Erst 1904, 427 Jahre nach den ersten Männern, konnten sich Frauen regulär an der Universität Tübingen einschreiben. Während auch dann noch vergleichsweise wenigen Frauen ein Studium möglich war, nimmt in den letzten Jahrzehnten und Jahren ihr Anteil an der Gesamtstudierendenzahl kontinuierlich zu. Doch noch immer ist eine Minderheit der Professuren mit Frauen besetzt. Anlässlich des 550. Universitätsjubiläums ist es daher höchste Zeit zu fragen: Welche Rolle spielten Frauen in den vergangenen Jahrhunderten, in den letzten Jahrzehnten und welche nehmen sie heute und künftig ein? Somit wird in der Vorlesungsreihe der Blick auch auf die Zeit vor 1904 gelegt, schließlich waren Frauen bereits zuvor Teil der Universität. Mit einem Fokus auf Strukturen und weniger auf Einzelpersonen wird der vielschichtigen Rolle und der Bedeutung von Frauen und Geschlechterbeziehungen an der Tübinger Universität in den vergangenen knapp 550 Jahren auf den Grund gegangen.
Doch gerade vor dem 20. Jahrhundert sind diese häufig nicht sichtbar: Als Professorengattinnen und -töchter oder als Mägde lassen sie sich oftmals nur bedingt und durch eine männliche Sichtweise geprägt fassen. Oft schreiben die damaligen Tübinger Professoren über Frauen, etwa in juristischen beziehungsweise theologischen Schriftstücken oder privaten Nachrichten. Zugleich sind vor dem Ende des 19. Jahrhunderts fast keine schriftlichen Äußerungen von Frauen selbst an dieser Universität greifbar. Es entsteht vorschnell der Eindruck, dass ihnen vor allem eine passive Rolle an der früheren Tübinger Universität zuzusprechen ist. Eine Ausnahme stellt etwa die Mitgründerin der Universität, Mechthild von der Pfalz, dar, die ihren Sohn Graf Eberhard V. von Württemberg maßgeblich bei dessen Gründungsprojekt unterstützte.
Doch die Rahmenbedingungen änderten sich allmählich ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert, als die ersten außerordentlichen
Studentinnen ihren Weg an die Tübinger Hochschule fanden und sich stückchenweise den Weg zum Studium erkämpften. In der
Vorlesungsreihe werden solche emanzipatorischen Entwicklungen, aber auch Rückschläge und Zeiten, in denen Frauen keine aktive Rolle zukam, betrachtet. Zugleich wird etwa mit Sophie Erhardt eine Frau in den Blick genommen, die ihre Position ausnutzte, um auch nach 1945 rassistische Forschungen an der Tübinger Universität zu betreiben. Die beiden abschließenden Vorträge wiederum widmen sich der Gleichstellung und der Frage des Genderns heutzutage sowie in jüngerer Vergangenheit und bieten somit einen Brückenschlag in die Gegenwart.
Organisation: Dr. Tjark Wegner, Institut für Geschichtliche
Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften
23.04.2025
Cherchez la femme. Frauen in der Geschichte der Universität Tübingen
Tjark Wegner, Universität Tübingen
30.04.2025
Arbeiten – Lernen – Gebären. Frauen an der geburtshilflichen Klinik Tübingen
Lea Schneider, Universität Stuttgart
07.05.2025
Mechthild von der Pfalz und die Gründung der Tübinger Universität
Sigrid Hirbodian, Universität Tübingen
14.05.2025
Ehe, Frauen und die Universität – Partnerwahl und Gleichberechtigung aus rechtlicher Perspektive
Giulio Erbar, Universität Tübingen
21.05.2025
Netzwerken im Hintergrund. Frauen an der frühneuzeitlichen Tübinger Universität
Sabine Holtz, Universität Stuttgart
28.05.2025
Die Macht der Hexen – Zwischen Faszination und Furcht. Positionen der Theologen und Juristen an der Universität Tübingen
Anita Binder, Schwäbisch Gmünd
04.06.2025
Vom „Experiment“ zur Immatrikulation. Die Anfänge des ordentlichen Frauenstudiums in Tübingen und dem Kaiserreich im Vergleich
Marco Birn, Kreisarchiv Reutlingen
18.06.2025
Gender-Gap. Frauen in der Tübinger Professorengalerie
Ariane Koller, Universität Tübingen
25.06.2025
Zäsur 68? – oder: Wann, wie und warum wandelten sich Geschlechterverhältnisse an der Universität Tübingen?
Sonja Levsen, Universität Tübingen
02.07.2025
Einerlei oder zweierlei? Über die Lernfähigkeit der Anthropologin Sophie Ehrhardt und die Lernfähigkeit der Republik
Hans-Joachim Lang, Universität Tübingen
09.07.2025
Seit 1986: Gleichstellungsarbeit an der Universität Tübingen
Ingrid Hotz-Davies, Universität Tübingen
16.07.2025
Das Unbehagen mit dem Geschlecht oder: Wer hat Angst vor ‚Gender‘?
Gero Bauer, Universität Tübingen